x * 10^12 $

Multi-Asset-Investmentstrategie vom 11.04.2021

Allerspätestens seit den Antworten der Regierungen und Notenbanken der ganzen Welt auf die Pandemie haben wir uns an ganz große Zahlen gewöhnt und sind vielleicht sogar etwas abgestumpft. Jetzt macht US-Präsident Biden weitere zwei Billionen Dollar locker – bzw. will das zumindest:

„What I am proposing is a one time capital investment of roughly $ 2 trillion in America´s future, spread largely over eight years.“
(
Quelle: Remarks by President Biden on the American Jobs Plan; 31.3.2021; https://www.whitehouse.gov/briefing-room/speeches-remarks/2021/03/31/remarks-by-president-biden-on-the-american-jobs-plan/)

2 trillion sind für uns 2 Billionen, eine Zahl mit 12 Nullen: 2.000.000.000.000

Der Hintergrund ist nachvollziehbar – wir kennen das aus dem Privatleben: Wenn ich nach vielen Jahren mein an dieser und jener Stelle etwas baufällig gewordenes Haus renoviere, modernisiere, gebe ich viel Geld für Handwerker aus, werde danach aber in meinem Haus produktiver sein, weniger laufende Kosten haben und mehr Spaß daran und darin haben. Vom Küchentisch zurück in die große weite Welt: Unmittelbarer Stimulus und langfristig eine Produktivitätsverbesserung in der Breite sollten also erwartet werden können.

(Wie) lassen sich die Zahlen greifen, einordnen?

In zwei Richtungen könnte man dazu denken (lässt man die Vergleichsgröße „Hauptstadtflughäfen“ außen vor):

Zunächst einmal kann man einen Vergleich mit der Bilanzsumme von Unternehmen heranziehen, deren Geschäft es ist, in Infrastruktur zu investieren. Typische Bilanzsummen börsennotierter Infrastrukturunternehmen („listed infrastructure“) sind vielleicht USD 50 Mrd., wenn wir so die Top-Bestandteile entsprechender Indizes durchsehen. 2 Billionen sind das 40-fache davon.

Eine andere Möglichkeit ist es, sich die Umsätze von Unternehmen anzusehen, die man mit einem solchen Aufbau spontan in Verbindung bringen würde. Die großen börsennotierten Namen, an die wir denken, haben (jeweils) Jahresumsätze im Bereich von vielleicht bis zu USD 80 Mrd. Klar, es müssen nicht die börsennotierten Unternehmen im Fokus stehen, hier kommen wir aber wiederum leicht an die Zahlen und diese interessieren ja auch bei Kapitalmarktinvestments.

Was heißt das: Nehmen wir die 2 Billionen und verteilen diese auf 8 Jahre, sprechen wir von USD 250 Mrd. Somit wären also vier solcher globaler Großunternehmen erst einmal auf absehbare Zeit ausgelastet …

… die macht das sicher glücklich, lastet Kapazitäten aus und verbessert deren Preissetzungskraft. Zumal Infrastrukturprojekte auch nie ohne Rohstoffeinsatz funktionieren, wird das ceteris paribus erst einmal preissteigernd wirken (bevor dann später oben angesprochene Produktivitätsgewinne hier entgegenwirken).

Interessant ist auch die Frage, welche Auswirkung das auf Infrastrukturunternehmen bzw. Infrastrukturvermögenswerte und die daraus zu erwartenden Renditen hat?

Anstehende Projekte sollten eher teurer werden.

Und – Beispiel Energieerzeugung: Hier wird nicht jeder ein Gewinner sein, wenn beispielsweise immer mehr Strom aus erneuerbaren Energien und eine höhere Effizienz auf der Verbraucherseite zusammenkommen.

Die Relativentwicklung entsprechender ETFs geht auch erst einmal in diese Richtung.

Was ist für uns noch bemerkenswert, wenn wir so durch die Anmerkungen des amerikanischen Präsidenten gehen?

Zunächst einmal die protektionistische Rhetorik:

„Not a contract will go out, that I control, that will not go to a company that is an American company with American products, all the way down the line, and American workers.“
(Quelle: s.o.; bemerkenswert die Häufung an rhetorischen Stilmitteln.)

Oder auch: Dass ein konkretes Negativbeispiel in Bezug auf die Nicht-Steuerzahlungen aufgeführt wurde:

„A fireman and a teacher paying 22 percent?  Amazon and 90 other major corporations are paying zero in federal taxes?“
(Quelle: s.o.)

Allerdings kommen wir spätestens an dieser Stelle zum schwierigen Teil: Wenn große Beträge zu verteilen sind, ist der Jubel überall groß – wenn es darum geht, diese zu finanzieren, beginnen die offenen Diskussionen und vor allem nicht offenen Gespräche …

Was schlussfolgern wir daraus?

Wieder, dass das (protektionistische Tendenzen, Steuererhöhungen) im Grundsatz erst einmal für steigende Inflationsraten spricht.

Und, dass für Bereiche des Aktienmarktes, die sich in der Pandemie als sicherer Hafen erwiesen haben, der Gegenwind etwas stärker werden könnte …

… vor allem dann, wenn sich die neu gewonnene internationale Dynamik in Bezug auf die Besteuerung multinationaler Großunternehmen fortsetzt.

Die x * 10x $-Frage ist jetzt natürlich, um diesen Text auch mit einer großen Zahl zu schließen, wie weit all das schon in den in den letzten Monaten gesehenen Anstieg der Inflationserwartungen vorweggenommen ist und natürlich, wie stark der Gegenwind für multinationale Großunternehmen wirklich wird. Auf das Potenzial für Letzteres haben wir den Eindruck, dass der Markt noch nicht wirklich reagiert hat.